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Indien Urlaub - ein Erfahrungsbericht
April und Mai sind nicht unbedingt die idealen Reisemonate für Südindien. Fast 40 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit geben ein durchgehendes Sauna-Gefühl und sind eine echte Herausforderung für den Kreislauf. Ein paar Tage in Kochi, der zweitgrößten Stadt im südindischen Bundesstaat Kerala, sind meine Anfangsdosis Indien: 600.000 Einwohner, laut, bunt, schmutzig, quirlig, aufregend. Zum Großteil freundliche Menschen, deren Englisch gewöhnungsbedürftig, nach ein paar Tagen aber gut verständlich ist. Besonders sehenswert der Stadtteil Fort Kochi auf einer Halbinsel, eine fast ländlich wirkende Kleinstadt mit dem Flair der indischen Kolonialgeschichte und den riesigen chinesischen Fischernetzen als Wahrzeichen.
Kerala lebt von der Landwirtschaft. Hauptanbauprodukte sind Reis, Nüsse, Kautschuk, Tee, Kaffee, Kakao und verschiedene Gewürze, vor allem Pfeffer. Gods own country, Garten Eden, nennen die Bewohner ihr Land – wegen der landschaftlichen Schönheit und wahrscheinlich auch wegen der für Indien sehr hohen Lebenserwartung von 73,5 Jahren.
Von Fort Kochi aus zieht es uns in Richtung Süden, nach Alleppey. Wir fahren mit Bussen, alt, heruntergekommen, ohne Fensterscheiben, dafür mit umso besserer Hupe, die ständig in Gebrauch ist. In Indien fährt jeder einfach drauflos, überholt auch vor Kurven, hupt und rechnet damit, dass der andere ausstellt. Meistens klappt dies auch irgendwie, ein Wunder bei dem lebhaften Verkehr.
Alleppey wird wegen ihrer Kanäle als „Venedig des Ostens“ bezeichnet. Die Stadt ist der Ausgangspunkt für unsere Tour in die Backwaters, ein verzweigtes Wasserstraßennetz im Hinterland Keralas auf einer Fläche von fast 2000 km² mit 29 größeren Seen und Lagunen, 44 Flüssen sowie 1500 Kilometer Kanälen. Feuchtwälder, Mangroven, Kokos- und Kautschukplantagen, in einigen Gegenden wächst auch Reis: ein paradiesisches Stück Land, das wir mit dem Kanu erkunden.
Unseren Wunsch nach Strandurlaub erfüllen wir uns in Varkala, das ein Stück weiter im Süden liegt. Eindrucksvolle Klippen, ein breiter, fast menschenleerer Sandstrand, die Unterkünfte, Lokale und Geschäfte ganz auf Rucksackreisende eingestellt. Wie überall finden wir auch hier ein Doppelzimmer für fünf Euro die Nacht. Es dauert nur ein paar Minuten bis zum ersten Gespräch mit anderen Reisenden, und bald sind wir eine Gruppe von 16 Leuten aus Österreich, Deutschland, Griechenland, Holland, Israel, dem Jemen und Kanada, die eine ganze Woche gemeinsam verbringen und jeden Tag bis in die Morgenstunden beisammensitzen.
Danach suchen wir ein paar Tage Ruhe im Ashram des weibliches Gurus Amma. Von Ruhe und Besinnlichkeit ist in diesem klosterähnlichen Meditationszentrum allerdings wenig zu spüren. Wir erwischen genau jene Tage, an denen Amma persönlich im Ashram ist und Tausenden Indern aus nah und fern ihre begehrten Umarmungen zuteil werden lässt. Der Ashram quillt über vor Besuchern, alles ist gut durchorganisiert, auch die Essensausgabe für so viele Menschen. Uns ist es im Ashram aber doch zu hektisch und wir fahren nach vier Tagen weiter nach Munnar, in die Berge. Munnar liegt auf 1.524 Meter Meereshöhe. Ein Teppich aus Teepflanzen wächst auf den Hügeln rund um die Siedlung bis hinauf auf 2.300 Meter. Die Gegend scheint wie mit grünem Samt überzogen. Wir mieten uns einen Jeep samt Chauffeur, fahren durch die Teeplantagen und den Nationalpark östlich von Munnar, sehen Elefanten und Affen und genießen die etwas kühleren Temperaturen und die täglichen Regengüsse.
Wie fast überall in Kerala ist das Essen auch hier vorwiegend vegetarisch, viel Gemüse und Hülsenfrüchte mit Reis, immer scharf gewürzt und meistens köstlich. Dazu wird Wasser und Masala Chai getrunken, Schwarztee mit Gewürzen. Bier ist kaum zu bekommen, Alkoholika werden generell nicht ausgeschenkt in Indien.
Nach den Tagen in den Bergen bekommen wir wieder Lust auf Hitze und Meer. Die Tage bis zum Heimflug verbringen wir auf der Insel Vypeen vor Kochi, am Cherai Beach. Die Lage unseres Hotels zwischen Backwaters und Meer ist einzigartig. Sonnenaufgang über den Backwaters, Sonnenuntergang über dem Meer, die Wassertemperatur bei 30 Grad. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: anders als in Varkala ist es hier angebracht, mit einem Tuch verhüllt ins Wasser zu gehen. Frauen im Bikini locken sofort scharenweise indische Männer an.
Mein Fazit nach der Zeit in Südindien: ein Land auf dem Weg in einen bescheidenen Wohlstand für die große Masse, zunehmender Tourismus, im Gegensatz zu Nordindien nur sehr wenige wirklich arme Leute und Bettler. Freundliche, hilfsbereite Menschen, die uns Fremden gegenüber aufgeschlossen und manchmal fast indiskret neugierig sind. Es war eine beeindruckende Reise, ohne viel Luxus, dafür mit umso intensiverem Kontakt zu Einheimischen und anderen Reisenden aus aller Welt.



