Gardasee 2026: Touristensteuer steigt – was du jetzt wissen musst
Sonntag, 28. Juni 2026
Wer in diesem Sommer ans Ufer des Gardasees reist, sollte beim Budgetieren genauer hinschauen: Die Touristensteuer – auf Italienisch imposta di soggiorno – ist 2026 in nahezu allen Orten am Lago di Garda gestiegen, teils drastisch. Laut dem aktuellen Nationalen Observatorium für Tourismussteuern des Beratungsunternehmens JFC, dessen Daten im April 2026 exklusiv im Il Sole 24 Ore veröffentlicht wurden, gehören gleich vier Gardasee-Gemeinden zu den fünf größten Einnehmern Italiens in der Kategorie Seeurlaub. Das bedeutet: Mehr Einnahmen, aber auch mehr Kosten für Urlauber. Hier erfährst du, welcher Ort wie viel verlangt – und wie du böse Überraschungen beim Check-out vermeidest.
Warum steigt die Touristensteuer am Gardasee so stark?
Die imposta di soggiorno ist in Italien eine kommunale Abgabe, die jede Gemeinde eigenständig festlegt. Sie ist eine lokale Steuer, die Gemeinden auf Basis des Gesetzesdekrets Nr. 23 vom 14. März 2011 einführen dürfen – zu zahlen pro Nacht und pro Person, eingezogen vom Beherbergungsbetrieb und dann an die Gemeinde abgeführt. Jede Gemeinde entscheidet selbst, ob sie die Abgabe einführt, für welche Unterkünfte sie gilt, in welchen Zeiträumen und in welcher Höhe – innerhalb der gesetzlichen Obergrenzen.
2026 hat sich das Bild in ganz Italien verschärft: Laut den Analysen des Nationalen Observatoriums JFC erheben inzwischen 1.411 Gemeinden die Steuer und erzielen damit ein geschätztes Gesamtaufkommen von über 1,2 Milliarden Euro – ein neuer Rekord. Gleichzeitig wurde der gesetzliche Rahmen ausgeweitet: Im Jahr 2026 variiert die Touristensteuer in Italien zwischen 1 und 10 Euro pro Nacht und Person. Die frühere Obergrenze von 5 Euro wurde überschritten: Das sogenannte Decreto Anticipi und das Haushaltsgesetz 2026 ermöglichten es bestimmten Gemeinden, die Tarife anzuheben.
Besonders stark fällt das Wachstum in der Lombardei aus, zu der der Großteil des Gardasees gehört: Im Jahr 2025 belegte die Lombardei mit Einnahmen aus der Touristensteuer in Höhe von 158,5 Millionen Euro den zweiten Platz in ganz Italien – ein Anstieg von 37,8 % gegenüber dem Vorjahr, weit über dem nationalen Durchschnitt von 12,8 %.
Gardasee dominiert Italiens Seeurlaub-Rangliste
Der Gardasee ist beim Thema Kurtaxe ein Schwergewicht. Vier der fünf führenden Seeurlaubsorte Italiens in der Rangliste der Touristensteuer-Einnahmen liegen am Garda: Lazise, Bardolino, Peschiera del Garda und Desenzano del Garda – Letzteres auf Platz fünf mit über 2,1 Millionen Euro.
Den stärksten Sprung machte dabei Lazise: Unter den zweistelligen Zuwächsen beim Steueraufkommen belegt Lazise den Spitzenplatz. Die Tourismusgemeinde am Gardasee, auf deren Gemeindegebiet die drei Freizeitparks Gardaland, Movieland und Canevaworld liegen, verbuchte 2025 ein Plus von 60 % und erzielte 3,6 Millionen Euro. Der Anstieg betrifft auch das benachbarte Bardolino, das ähnliche Wachstumsraten wie Caorle, Cervia und Cavallino Treporti verzeichnete.
Auch Sirmione ist bei den Einnahmen stark gewachsen: Sirmione positioniert sich auf nationaler Ebene auf Platz drei im Segment Thermentourismus mit 2,371 Millionen Euro und einem Wachstum von 25,9 %. Kein Zufall: Die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeisterin Luisa Lavelli hat beschlossen, die Touristensteuer für die kommende Saison um 20 % zu erhöhen – für Ferienwohnungen und Kurzzeitvermietungen fiel das Plus noch deutlicher aus: von 1,50 Euro auf 2,80 Euro pro Nacht.
Ein Blick auf Gargnano am Nordufer zeigt, dass auch die kleineren Ortschaften mitziehen: In Gargnano wird die Steuer angehoben; die neue Bandbreite liegt bei maximal 4,50 Euro für Fünf-Sterne-Häuser und mindestens 1,50 Euro für Bed-and-Breakfasts und Appartements.
Stabiler bleibt hingegen Desenzano del Garda: Am Südende des Sees plant Desenzano nach Angaben des Stadtkämmerers keine Erhöhungen – zumindest bis 2027.
Wie viel zahlst du konkret – ein Ortsvergleich
Die Höhe der Abgabe hängt am Gardasee von drei Faktoren ab: Ort, Unterkunftskategorie und Saison. In Italien bestimmt jede Gemeinde eigenständig die Höhe der Gästetaxe. Für Städtereisen und Kurztrips an den Gardasee ergibt sich daraus folgendes Bild:
- Lazise: Einer der höchsten Sätze am See; die Einnahmen sind 2025 auf 3,6 Mio. Euro gestiegen (+60 %) – ein direkter Beleg für höhere Tarife und höhere Besucherzahlen.
- Bardolino: Ähnlich starkes Wachstum wie Lazise; Einnahmen über 3,3 Mio. Euro (+55 %) in 2025.
- Sirmione: Hoteltarif +20 %, Ferienwohnung: von 1,50 auf 2,80 Euro/Nacht.
- Gargnano: 5-Sterne max. 4,50 Euro, B&B/Appartements ab 1,50 Euro.
- Desenzano del Garda: Keine Erhöhung geplant bis 2027; Einnahmen 2024 ca. 2 Mio. Euro.
- Moniga del Garda: Die Steuer gilt dort 2026 nur saisonal, vom 1. April bis 31. Oktober.
- Peschiera del Garda: Gehört ebenfalls zu den Top-5-Seeorten Italiens.
Als grobe Faustregel gilt: Im Jahr 2026 variiert die Touristensteuer in Italien zwischen 1 und 10 Euro pro Nacht und Person – je nach Ort und Unterkunftskategorie. Wer eine Woche zu zweit in einem Vier-Sterne-Hotel in Sirmione übernachtet, kann also schnell 30 bis 50 Euro extra einplanen müssen.
Wohin fließt das Geld – und was bedeutet das für Urlauber?
Die Einnahmen finanzieren Maßnahmen für den lokalen Tourismus, von der Wartung der Infrastruktur bis zur Vermarktung der Region. Gesetzlich ist festgelegt: 70 % der Mittel müssen für touristische, ökologische und städtische Sicherheitszwecke verwendet werden, 30 % fließen in nationale Sozialfonds.
Für Urlauber bedeutet das theoretisch bessere Infrastruktur: gepflegtere Uferpromenaden, mehr Beschilderung, sicherere Radwege. In der Praxis mahnt Confesercenti Lombardia Orientale jedoch: Die Handelsorganisation begrüßt die höheren Einnahmen zwar, macht aber deutlich, dass allein steigende Steueraufkommen nicht ausreichen, um die Entwicklung des Tourismussektors zu beschreiben. Die Forderung ist klar: Die Mittel müssen gezielt und sichtbar in die Qualität des Urlaubserlebnisses fließen.
Einen wichtigen rechtlichen Punkt solltest du kennen: Das Beherbergungsunternehmen muss die Touristensteuer an die Gemeinde abführen – auch dann, wenn der Gast nicht zahlt. Das hat der Corte di Cassazione in einem Urteil und die Sezioni Unite mit dem Beschluss Nr. 1527/2026 vom 23. Januar 2026 endgültig bestätigt. Faktisch heißt das: Eine Weigerung zu zahlen ist für dich als Gast keine Option ohne Konsequenzen für den Betrieb.
Gilt die Steuer auch für Ferienwohnungen und Airbnb?
Ja – und zwar explizit. Die Touristensteuer zahlt, wer in einer Unterkunft einer Gemeinde übernachtet, die sie eingeführt hat: Hotels, B&Bs, Ferienwohnungen, Jugendherbergen, Agriturismi, Campingplätze. Am Gardasee gelten für Kurzzeitvermietungen in einigen Orten sogar überproportionale Tarife – wie in Sirmione mit dem Sprung von 1,50 auf 2,80 Euro. Einige Gemeinden erwägen gezielte Aufschläge für Kurzzeitvermietungen, die höhere steuerliche Vorteile genießen und weniger Auflagen haben, aber zugleich soziale Probleme durch weniger Wohnraum für Einheimische erzeugen.
Wer über Last-Minute-Angebote am Gardasee bucht, sollte prüfen, ob die Steuer bereits im Gesamtpreis enthalten ist oder separat vor Ort bezahlt werden muss. Bei den meisten Online-Portalen ist sie nicht im Buchungspreis eingeschlossen. Der Betrag wird zum Übernachtungspreis hinzugerechnet und kann nicht von der Tarif herausgekürzt werden.
Praxis-Tipps für deinen Gardasee-Urlaub 2026
- Vor der Buchung nachfragen: Lass dir schriftlich bestätigen, ob und in welcher Höhe die imposta di soggiorno in der Buchung enthalten ist oder separat fällig wird.
- Ort wählen: Wer die Steuer minimieren möchte, sollte Desenzano del Garda im Blick behalten – dort sind bis 2027 keine Erhöhungen geplant. Für Pauschalreisen an den Gardasee lohnt es sich, Angebote mit inkludierter Kurtaxe zu suchen.
- Saisonales Timing: In Orten wie Moniga del Garda gilt die Steuer nur von April bis Oktober – wer außerhalb dieser Saison reist, spart die Abgabe.
- Esenzioni (Ausnahmen) prüfen: Ausnahmen von der Steuer variieren von Gemeinde zu Gemeinde. Kinder, Behinderte und deren Begleitpersonen sind mancherorts befreit – immer beim Hotel oder der Gemeinde nachfragen.
- Quittung verlangen: Bestehe auf einer nummerierten Quittung. Der Betrieb ist gesetzlich verpflichtet, dir eine auszustellen.
- Budget einplanen: Als Faustregel: 1–4,50 Euro pro Person und Nacht, je nach Ort und Hotelkategorie. Bei einer Wochentour zu zweit sind das bis zu 63 Euro extra.
Ausblick: Wird es noch teurer?
Auf nationaler Ebene ist das Touristensteuer-Aufkommen von 628 Millionen Euro im Jahr 2022 auf über 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2026 gestiegen – fast eine Verdoppelung in fünf Jahren. Der Trend zeigt klar nach oben, und der Gardasee ist ein Treiber dieser Entwicklung. Fast alle Gemeinden am oberen Gardasee haben die Steuer angehoben – eine aus Sicht der Bürgermeister unumgängliche Maßnahme, um touristische Dienstleistungen ohne Mehrbelastung der Einwohner zu finanzieren.
Gleichzeitig wird am See über eine Harmonisierung diskutiert: Beim Garda-Nachhaltigkeitsfestival wurde deutlich, dass es unter den Gemeinden am See bislang keine einheitliche Regelung gibt, die eine gemeinsame Touristensteuer für den gesamten Gardasee ermöglichen würde – eine solche würde dem Tourismus und der Kultur zugutekommen. Die Debatte ist in vollem Gange – Urlauber müssen daher weiterhin von Ort zu Ort unterschiedliche Tarife einkalkulieren.
Wer den Städtetrip nach Italien plant oder über Pauschalreisen nach Italien nachdenkt, sollte die Kurtaxe konsequent als Budgetposten einrechnen. Ein genauer Blick lohnt sich – und macht das Urlaubs-Erlebnis am schönsten See der Alpen am Ende nur noch entspannter.
Häufige Fragen zur Touristensteuer am Gardasee 2026
Was ist die Touristensteuer am Gardasee und muss ich sie wirklich zahlen?
Ja, die imposta di soggiorno (Touristensteuer) ist eine gesetzlich verankerte kommunale Abgabe in Italien. Du zahlst sie pro Person und Nacht direkt an deinen Beherbergungsbetrieb, der das Geld dann an die Gemeinde weiterleitet. Eine Weigerung ist nicht möglich, da der Betrieb gegenüber der Gemeinde haftet – auch wenn du nicht zahlst.
Wie hoch ist die Touristensteuer in Sirmione, Lazise und Bardolino 2026?
In Sirmione wurde die Steuer 2026 um 20 % erhöht; für Ferienwohnungen stieg sie von 1,50 auf 2,80 Euro pro Nacht. In Lazise und Bardolino sind die Einnahmen 2025 um jeweils rund 60 % bzw. 55 % gestiegen, was auf deutliche Tariferhöhungen und/oder stärkere Besucherzahlen hindeutet. Für aktuelle Einzeltarife empfehlen wir, direkt bei der Unterkunft oder der jeweiligen Gemeindeverwaltung nachzufragen.
Ist die Touristensteuer im Pauschalpreis enthalten?
In der Regel nicht. Die imposta di soggiorno wird von den meisten Buchungsportalen und Reiseveranstaltern separat ausgewiesen und ist vor Ort zu entrichten. Prüfe deine Buchungsbestätigung sorgfältig und frage im Zweifel beim Anbieter nach.
Gibt es Ausnahmen von der Touristensteuer am Gardasee?
Ja, Ausnahmen sind möglich, aber von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Häufig befreit sind Kinder unter einem bestimmten Alter, Menschen mit Behinderungen und deren Begleitpersonen sowie Personen, die aus medizinischen Gründen anreisen. Die genauen Regelungen findest du im Gemeindereglement des jeweiligen Urlaubsorts.
Gilt die Steuer auch für Airbnb-Unterkünfte am Gardasee?
Ja. Seit 2016 gilt in der Lombardei die Touristensteuer für alle Unterkunftsarten – also auch für Ferienwohnungen und Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb. Der Vermieter ist verpflichtet, sie einzuziehen und an die Gemeinde abzuführen. In einigen Orten (z. B. Sirmione) fallen die Tarife für diese Unterkunftsart sogar höher aus als für klassische Hotels.
Wohin fließt das Geld aus der Touristensteuer am Gardasee?
Gesetzlich sind mindestens 70 % der Einnahmen für touristische, ökologische und sicherheitsrelevante Projekte zweckgebunden – also etwa Ufergestaltung, Radwege, Beschilderung und Tourismusmarketing. Die restlichen 30 % fließen in nationale Sozialfonds. Lokale Handelsverbände wie Confesercenti Lombardia Orientale fordern, dass die Mittel transparent und spürbar in die Qualität des Urlaubserlebnisses investiert werden.