Kanaren statt Touristensteuer: REGNEXT-Fonds – was das für deinen Städtetrip bedeutet
Freitag, 24. Juli 2026
Anfang Juli 2026 haben die Kanarischen Inseln einen wegweisenden Beschluss gefasst: Statt eine verpflichtende Touristensteuer einzuführen, wie sie Barcelona oder Venedig kennen, setzt die Regionalregierung auf den freiwilligen Nachhaltigkeitsfonds REGNEXT. Für dich als Städtereisende:r – ob nach Las Palmas de Gran Canaria, Santa Cruz de Tenerife oder Arrecife auf Lanzarote – ändert sich damit konkret, wie du deinen Urlaub nachhaltig gestalten kannst, ohne zwangsläufig tiefer in die Tasche greifen zu müssen. Gleichzeitig lohnt ein genauer Blick darauf, was hinter dem Modell steckt – und was auf den Inseln gerade wirklich los ist.
Was ist REGNEXT – und warum jetzt?
Die kanarische Regionalregierung hat gemeinsam mit dem britisch-spanischen Tourismusbüro den „Canary Islands Tourism Regeneration and Nature Restoration Fund“ (RegNext) ins Leben gerufen, um Umwelt- und Gemeinschaftsprojekte zu finanzieren. Der Startschuss fiel am 7. Juli 2026 – mitten in der Hochsaison, bewusst.
Der Hintergrund ist klar: Das Kanarische Tourismusobservatorium verzeichnete für 2025 insgesamt 18,4 Millionen Touristinnen und Touristen sowie einen jährlichen Tourismus-Umsatz von 23,185 Milliarden Euro. Diese wirtschaftliche Stärke sichert Jobs, Unternehmen und öffentliche Einnahmen, erhöht aber zugleich den Druck auf Landschaften, Infrastruktur, Wohnraum und Gemeinschaften – und genau hier setzt RegNext an.
Vorausgegangen war monatelangen Debatten über eine verpflichtende Ökosteuer zwischen 1 und 3,50 Euro pro Nacht, die jedoch nicht umgesetzt wird. Während Städte wie Venedig oder Barcelona inzwischen auf Touristenabgaben setzen, gehen die Kanarischen Inseln nun einen anderen Weg: Statt einer allgemeinen und verpflichtenden Touristensteuer sollen Urlauberinnen und Urlauber künftig freiwillig Geld für Umwelt- und Sozialprojekte spenden können.
Wie funktioniert der Fonds konkret?
REGNEXT lädt Besucherinnen und Besucher ein, freiwillige Online-Beiträge zu leisten, die direkt Projekten zugutekommen, die auf den Schutz der natürlichen und sozialen Umwelt der Inseln abzielen. Das klingt nach einem Spendenaufruf – ist aber deutlich strukturierter als das.
In der Anfangsphase werden fünf Pilotprojekte ausgewählt: jeweils eines auf den Inseln mit dem höchsten Tourismsdruck sowie ein übergreifendes Projekt sozialer Natur für den gesamten Archipel. Um diese umzusetzen, soll die Kommission der „Alliance for Regenerative Tourism“ ein freiwilliges, rückverfolgbares und transparentes Finanzierungssystem entwickeln, das Mittel direkt und gezielt Regenerationsprojekten zuführt.
Geplant ist eine digitale Plattform, auf der Beitragszahlende Projekte einsehen, den Umsetzungsstand verfolgen und messbare Ergebnisse prüfen können. Wer also als Städtetourer:in durch Las Palmas de Gran Canaria schlendert, kann nach Belieben einen Beitrag leisten – und sehen, wohin das Geld fließt.
Das System soll auf Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, La Palma, La Gomera und El Hierro eingeführt werden.
Gran Canaria: Mogán hat schon eine echte Abgabe
Während REGNEXT noch in der Aufbauphase steckt, gibt es auf Gran Canaria bereits eine handfeste, verpflichtende Regelung auf Gemeindeebene – und zwar die erste ihrer Art auf den Kanaren überhaupt. Die Gemeinde Mogán auf Gran Canaria hat eine Tourismus-Abgabe eingeführt – die erste sowohl auf den Kanarischen Inseln als auch in Spanien auf kommunaler Ebene. Ab 2025 müssen alle Gäste in Unterkünften innerhalb von Mogán – inklusive Hotels, Apartments und Ferienimmobilien – 0,15 Euro pro Tag zahlen.
Während einige Gemeinden auf den Inseln, wie Mogán auf Gran Canaria, bereits lokale Gebühren zur Finanzierung von Tourismusdienstleistungen und Infrastruktur eingeführt haben, lädt der Archipel seine Gäste nun zusätzlich dazu ein, freiwillig zu einem neuen Nachhaltigkeitsfonds beizutragen.
Für einen zehntägigen Aufenthalt zu zweit in Mogán – ein beliebter Städte- und Strandausflug von Las Palmas aus – macht die Pflichtabgabe also gerade einmal 3 Euro aus. Kein Budget-Killer, aber ein klares Signal, dass die Inseln die Frage der Tourismusfinanzierung ernst nehmen.
Overtourism auf den Kanaren: Was du vor Ort spürst
Die Zahlen lassen nicht viel Spielraum für Beschönigung: Gemeint ist nicht einfach „viel Betrieb“, sondern ein Zuviel an Gästen, das den Alltag der Einheimischen erschwert, Naturräume überlastet und auch den Urlaub selbst weniger erholsam macht. Staus, überfüllte Strände, Wohnungsmangel und Proteste sind keine Randnotiz mehr, sondern prägen das Bild ganzer Inseln, die an ihre Grenzen stoßen.
Besonders drastisch zeigt sich das beim Wohnen: Ferienapartments versprechen mehr Einnahmen als reguläre Mieten, wodurch Einheimische aus Küstenorten verdrängt werden. Wer in Hotels arbeitet oder im Krankenhaus Dienst schiebt, findet oft nur noch weit entfernt eine bezahlbare Wohnung.
Seit Dezember 2025 hat zudem ein neuer regionaler Rahmen für Ferienvermietungen den Unterkunftsmarkt auf den Kanaren verändert: Das aktualisierte Gesetz begrenzt Touristenvermietungen auf einen Höchstanteil der Wohnkapazität jeder Gemeinde, wobei häufig eine Obergrenze von rund 10 Prozent der gesamten bebaubaren Wohnfläche genannt wird. Für Städtereisende bedeutet das konkret: Das Angebot an Ferienwohnungen in begehrten Lagen wie Puerto Rico oder den Altstädten wird knapper – und damit tendenziell teurer.
An berühmten Aussichtspunkten gehören Parkplatzsuche, Einlasskontrollen und Reservierungspflichten inzwischen zum Standard. Hinzu kommen Vermüllung, Regelverstöße in Schutzgebieten und eine spürbar gereizte Stimmung, wenn Einheimische das Gefühl haben, ihre Insel werde vor allem als Kulisse genutzt.
Was bedeutet das für deinen Städtetrip auf die Kanaren?
Kurz gesagt: Du zahlst vorerst keine neue Pflicht-Touristensteuer auf Inselebene. Die Debatte darum ist aber noch lange nicht vom Tisch. Die Einführung von REGNEXT folgt auf intensiver öffentlicher Diskussion über Overtourism auf Teilen der Kanarischen Inseln. Steigende Besucherzahlen haben Gespräche darüber ausgelöst, wie die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus mit Umweltschutz, Infrastrukturkapazität und der Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner in Einklang gebracht werden kann. Statt allein auf Steuern zu setzen, fördern die Behörden eine gemeinsame Verantwortung zwischen Reisenden, Unternehmen und staatlichen Institutionen.
Wer jetzt eine Städtereise nach Las Palmas de Gran Canaria oder eine Tour durch Santa Cruz de Tenerife plant, sollte folgende Punkte auf dem Radar haben:
- Mogán (Gran Canaria): Verpflichtende Abgabe von 0,15 Euro pro Person und Nacht, gilt für Hotels, Apartments und Ferienhäuser.
- REGNEXT-Freiwilligbeitrag: Sobald die Plattform online ist, kannst du selbst entscheiden, ob und wie viel du beiträgst – transparent und projektgebunden.
- Mietrecht für Ferienwohnungen: Die neue 10-Prozent-Regelung sorgt für ein knapperes Angebot; frühzeitig buchen lohnt sich mehr denn je.
- Sehenswürdigkeiten mit Reservierungspflicht: Teide-Nationalpark, Roque Nublo und Co. – immer mehr Attraktionen fordern vorab gebuchte Tickets.
- Ruhigere Inseln wählen: La Gomera, El Hierro und La Palma sind von den REGNEXT-Pilotprojekten ebenfalls erfasst, aber deutlich weniger überlaufen als Teneriffa oder Gran Canaria.
- Reisezeit überdenken: Schulter-Saison (Oktober/November oder Februar/März) bedeutet weniger Gedränge und angenehme Temperaturen.
Kein ETIAS, kein Problem – aber Einreise im Blick behalten
Für EU-Bürgerinnen und -Bürger sind die Kanaren als Teil des spanischen Staatsgebiets ganz normal per Personalausweis einreisbar – kein ETIAS, kein Visum, keine Extra-Dokumente. Das unterscheidet die Inselgruppe von anderen populären Fernzielen, bei denen 2026 neue Einreisegebühren greifen. Wer allerdings aus einem Drittstaat anreist oder in Zukunft das britische ETA (Electronic Travel Authorisation) benötigt, sollte prüfen, ob dieses bereits für Spanien/Kanaren relevant ist – aktuell betrifft das ETA nur Großbritannien als Einreisedestination, nicht als Abflugland.
Planst du eine Pauschalreise nach Gran Canaria oder suchst du ein Last-Minute-Angebot nach Teneriffa? Dann achte beim Buchen darauf, ob der Veranstalter bereits den Mogán-Beitrag in den Gesamtpreis einrechnet oder ob er separat vor Ort erhoben wird. Viele Hotelketten in Puerto Rico oder Maspalomas weisen die Gemeindeabgabe inzwischen gesondert in der Rechnung aus.
Ist REGNEXT das Modell der Zukunft?
RegNext soll sicherstellen, dass die durch den Tourismus generierten Einnahmen den ökologischen, sozialen und kulturellen Status des Archipels bereichern – und die Kanarischen Inseln als Vorreiter im Bereich des regenerativen Tourismus positionieren.
Die Initiative positioniert Tourismus als aktiven Beitrag zur langfristigen Umwelt-Regeneration – nicht länger nur als Verbraucher natürlicher Ressourcen. Die Kanarischen Inseln reihen sich damit in eine breitere Bewegung von Reisezielen ein, die mit innovativen Ansätzen für nachhaltigen Tourismus experimentieren.
Ob das Modell trägt, hängt von der tatsächlichen Beteiligung ab. Pflichtabgaben – wie auf den Balearen seit Jahren üblich – generieren verlässliche Einnahmen. Freiwilligfonds hingegen stehen und fallen mit der Kommunikation: Wenn Reisende nicht wissen, dass REGNEXT existiert, werden sie auch nichts beitragen. Daher ist es gut, dass du jetzt schon davon weißt.
Für deine Spanien-Pauschalreise oder den nächsten Städtetrip nach Spanien lohnt es sich, die Entwicklungen auf den Kanaren weiter im Auge zu behalten – denn die Diskussion über eine islandweite Pflichtabgabe ist mit REGNEXT nicht beendet, sondern nur vertagt.
Häufige Fragen zum REGNEXT-Fonds und Tourismussteuern auf den Kanaren
Muss ich als EU-Touristin oder EU-Tourist auf den Kanaren 2026 eine Touristensteuer zahlen?
Auf Inselebene gibt es keine verpflichtende Touristensteuer für alle Kanaren. Einzige Ausnahme: Wer in der Gemeinde Mogán auf Gran Canaria übernachtet, zahlt 0,15 Euro pro Person und Nacht. Der neue REGNEXT-Fonds ist hingegen freiwillig – du entscheidest selbst, ob du einen Beitrag leistest.
Was ist REGNEXT und wie kann ich mitmachen?
REGNEXT steht für „Canary Islands Tourism Regeneration and Nature Restoration Fund“. Es ist ein im Juli 2026 gestarteter Fonds der Kanarischen Regionalregierung, der Umwelt- und Sozialprojekte auf allen sieben Hauptinseln finanzieren soll. Sobald die digitale Plattform online ist, kannst du dort freiwillig Geld einzahlen und verfolgen, welches konkrete Projekt davon profitiert.
Brauche ich für die Kanaren ein Visum oder ETIAS?
Nein. Die Kanarischen Inseln sind spanisches Staatsgebiet und Teil der EU. Als EU-Bürgerin oder EU-Bürger reist du mit dem Personalausweis ein – weder Visum noch ETIAS sind notwendig. Reisende aus Drittstaaten (z. B. aus dem Nicht-EU-Ausland) prüfen bitte die aktuellen Einreisebedingungen für Spanien.
Wie wirkt sich das neue Ferienwohnungsgesetz auf meine Unterkunftsbuchung aus?
Seit Dezember 2025 gilt auf den Kanaren eine neue Regelung, die Ferienvermietungen auf rund 10 Prozent der Wohnfläche einer Gemeinde begrenzt. Das Angebot an Ferienwohnungen in gefragten Stadtvierteln wird dadurch knapper. Frühzeitiges Buchen ist empfehlenswert, und Hoteloptionen können wieder attraktiver werden.
Welche Kanaren-Insel ist am wenigsten überlaufen für einen Städtetrip?
La Gomera, El Hierro und La Palma sind die ruhigsten Inseln des Archipels. Auf La Palma lockt die Hauptstadt Santa Cruz de La Palma mit kolonialer Altstadt und deutlich weniger Besucherandrang als Las Palmas de Gran Canaria oder Santa Cruz de Tenerife. Alle drei sind auch Teil der geplanten REGNEXT-Pilotprojekte.
Gibt es auf Teneriffa bereits eine Eco-Abgabe?
Ja, aber nur punktuell: Für den Besuch des Teide-Nationalparks durch Nicht-Residenten wurde eine Eco-Abgabe angekündigt, und der private PKW-Zugang zum Teide wird sukzessive eingeschränkt – stattdessen sollen Elektro-Shuttlebusse eingesetzt werden. Eine allgemeine Übernachtungsabgabe für ganz Teneriffa gibt es derzeit nicht.