NABU-Kreuzfahrtranking 2026: Keine einzige Reederei ist wirklich nachhaltig – was das für deine Kanaren-Kreuzfahrt bedeutet
Sonntag, 13. September 2026
Der Deutsche Naturschutzbund (NABU) hat im August 2026 sein neues Kreuzfahrtranking veröffentlicht – und das Ergebnis ist so klar wie ernüchternd: Keine einzige Reederei erreicht die Hälfte der möglichen Punkte. Für Urlauberinnen und Urlauber, die eine Kreuzfahrt zu den Kanaren und nach Gran Canaria planen, stellen sich damit dringende Fragen: Mit wem fährt man vergleichsweise umweltschonend? Und was bedeuten die Zahlen konkret für die Reise?

Das NABU-Ranking 2026 untersuchte 15 für den deutschen Markt relevante Reedereien und setzte dabei einen besonderen Fokus auf den deutschen Kreuzfahrtmarkt – also auf genau jene Anbieter, die Hunderttausende Deutsche jedes Jahr auf die Kanaren bringen. Die Ergebnisse basieren auf freiwilligen Angaben der Reedereien und zeigen Fortschritte bei Landstrom und Energieeffizienz, aber kaum Bewegung beim entscheidenden Thema klimafreundliche Antriebe.
Was das NABU-Ranking 2026 konkret zeigt
Insgesamt wurden 19 Reedereien befragt, und es konnten maximal 17 Punkte erreicht werden. An der Spitze stehen erneut die norwegischen Anbieter Havila und Hurtigruten – mit 7,5 beziehungsweise 7,25 von 17 Punkten. Das klingt nach einem Erfolg, ist es aber nur bedingt: Selbst die Erstplatzierten kommen nicht über die 50-Prozent-Marke hinaus.
Auf dem gemeinsamen dritten Platz folgen Ponant, Mein Schiff (TUI Cruises) und AIDA Cruises mit jeweils sechs Punkten. Beide letztgenannten Anbieter sind für Deutschland besonders relevant, denn Gran Canaria ist ein zentrales Ziel auf Kanarenkreuzfahrten – Las Palmas wird etwa von AIDA oft angesteuert. Deutlich schlechter schneiden Royal Caribbean, Norwegian Cruise Line und Schlusslicht Marella ab. Keine Auskünfte lieferten Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und erstmals auch Nicko Cruises.
Besonders kritisch bewertet der NABU den weiterhin verbreiteten Einsatz von Schweröl: Nur vier der zwölf untersuchten Reedereien schließen diesen besonders klimaschädlichen und schadstoffreichen Treibstoff vollständig aus.
Warum Gran Canaria und die Kanaren besonders betroffen sind
Gran Canaria gehört zu den meistangesteuerten Kreuzfahrtzielen Europas. Im Jahr 2025 reisten weltweit rund 37 Millionen Menschen mit dem Kreuzfahrtschiff – für das Jahr 2040 rechnet der Branchenverband bereits mit etwa 41 Millionen Passagieren. Ein erheblicher Teil dieser Routen führt von Hamburg, Kiel oder Bremerhaven direkt zu den Kanarischen Inseln. Las Palmas auf Gran Canaria ist dabei oft die erste oder letzte Anlegestelle einer Atlantikroute.
Das bedeutet: Solange die großen Massenmarkt-Reedereien kaum Fortschritte beim Antrieb machen, tragen Kreuzfahrten zu den Kanaren überproportional zur Belastung von Ozean und Atmosphäre bei. Die Branche macht zwar Fortschritte bei Energieeffizienz und Landstrom, bleibt beim entscheidenden Thema klimafreundliche Antriebe aber weit hinter den Erwartungen zurück.
Während rund die Hälfte der Reedereien ihre Stickoxidemissionen im Fahrbetrieb reduziert, bleiben wirksame Maßnahmen gegen besonders gesundheits- und klimaschädliche Rußemissionen bisher weitgehend aus. Gerade in Häfen wie Las Palmas, wo viele Schiffe gleichzeitig liegen, ist das ein Problem – sowohl für die Bevölkerung als auch für die Touristen an Bord.
Was der NABU positiv bewertet
Das Bild ist nicht komplett düster. Positiv bewertet der NABU die zunehmende Nutzung von Landstromanschlüssen und technische Verbesserungen an Bord: Viele Reedereien investieren in effizientere Schiffe, bessere Routenplanung, optimierte Rumpfformen und Batteriesysteme.
Dadurch sinken die Emissionen pro Passagierkilometer teilweise. Auch Windunterstützung gewinnt langsam an Bedeutung – besonders Ponant setzt bereits entsprechende Technologien ein. Zudem nutzen einige Reedereien Batterien auf einzelnen Schiffen, darunter AIDA Cruises, Havila, Hurtigruten, HX Expeditions, Ponant und Royal Caribbean.
Einige Kreuzfahrtschiffe nutzen Windenergie zur Unterstützung von Hauptmotoren, andere haben Batterien an Bord. Laut NABU wurde 2026 ein erstes vollelektrisches Kreuzfahrtschiff vorgestellt – noch habe aber keine Reederei den Auftrag für ein solches Schiff erteilt.
Der Flusskreuzfahrt-Kontrast: Hier tut sich mehr
Ein lohnendes Vergleichsfeld bietet der Blick auf den Flusskreuzfahrt-Markt: Während die großen Ozeanriesen beim Thema Nachhaltigkeit stagnieren, sind die Flusskreuzfahrt-Anbieter weiter. Ab 2026 betreibt VIVA Cruises alle eigenen Schiffe mit umweltfreundlichen, erneuerbaren Treibstoffen – ein Meilenstein, den bisher keine der großen Seereise-Reedereien erreicht hat.
Testsieger 2026 im Flusskreuzfahrt-Anbieter-Vergleich ist VIVA Cruises, Preis-Leistungs-Sieger ist 1AVista Reisen. A-ROSA belegt Platz 2, dahinter folgen Plantours, Berge & Meer und e-hoi. Das zeigt: Kleinere, spezialisiertere Kreuzfahrtangebote können beim Thema Nachhaltigkeit oft mehr bieten als die Kreuzfahrtgiganten – ein Gedanke, der auch für Gran Canaria-Reisende interessant ist, die etwa eine Douro-Flusskreuzfahrt als Alternative oder Ergänzung in Betracht ziehen.
Was bedeutet das für deine Kreuzfahrt nach Gran Canaria?
Wer im Herbst oder Winter eine Kreuzfahrt zu den Kanaren plant, sollte das NABU-Ranking als Entscheidungshilfe nutzen. Wie in den vergangenen Jahren landeten die zwei norwegischen Kreuzfahrtanbieter Havila und Hurtigruten 2026 auf den vorderen Plätzen. Gute Plätze erreichten auch Ponant sowie die deutschen Anbieter TUI Cruises mit Mein Schiff und AIDA Cruises. Das Ranking bewertet dabei Faktoren wie den Verzicht auf Schweröl, die Nutzung von Landstrom und Stickoxidkatalysatoren.
Das neue NABU-Kreuzfahrtranking 2026 zeigt: Es gibt Fortschritte bei Landstrom, Energieeffizienz und Abgastechnik. Beim entscheidenden Thema Klimaneutralität bleibt die Branche jedoch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Urlauberinnen und Urlauber können dennoch gezielt auf Reedereien setzen, die zumindest auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit sind – und dabei auch auf Hafen-Angebote in Las Palmas de Gran Canaria achten, die Landstromanschlüsse für anliegende Schiffe bereitstellen.
Wenn du eine Kanaren-Kreuzfahrt planst, lohnt es sich also, das Ranking als Checkliste zu nutzen und gezielt nach Schiffen zu suchen, die auf Schweröl verzichten und Landstrom nutzen. Alternativ bietet sich Gran Canaria natürlich auch als Pauschalreise-Ziel oder Lastminute-Destination an – mit dem deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck eines Direktfluges statt eines Kreuzfahrtschiffs.
Tipps: So buchst du eine vergleichsweise nachhaltigere Kreuzfahrt zu den Kanaren
- Ranking als Entscheidungshilfe nutzen: Das NABU-Kreuzfahrtranking 2026 ist kostenlos auf nabu.de einsehbar – prüfe vor der Buchung, wo deine Wunsch-Reederei steht.
- Auf Schweröl-Verzicht achten: Nur vier der zwölf bewerteten Reedereien verzichten vollständig auf Schweröl. Frage explizit nach dem Treibstoff deines Schiffes.
- Landstrom-freundliche Häfen bevorzugen: Las Palmas de Gran Canaria hat in den letzten Jahren in Hafeninfrastruktur investiert – informiere dich, ob dein Schiff bei Anlegestellen Landstrom nutzt.
- Neuere Schiffe wählen: Moderne Neubauten sind technisch effizienter und verfügen häufiger über Batteriesysteme und optimierte Rumpfformen.
- Kleine Reedereien in Betracht ziehen: Anbieter wie Ponant oder Havila schneiden im NABU-Ranking besser ab – und bieten Routen, die Gran Canaria und den Atlantik mit kleinerem Fußabdruck bereisen.
- Anreise per Bahn kombinieren: Wer von Deutschland aus per Bahn zum Abfahrtshafen reist, reduziert die Gesamtemissionen seiner Kreuzfahrt spürbar.
Gran Canaria – warum die Insel als Kreuzfahrtziel so beliebt ist
Unabhängig vom Nachhaltigkeitsdebatte bleibt Gran Canaria eines der attraktivsten Kreuzfahrtziele Europas. Highlights auf Gran Canaria umfassen den Dedo de Dios (Gotteshand)-Felsen, die Dünen von Maspalomas und die Hauptstadt Las Palmas mit ihrem Hafen und der historischen Altstadt. Hinzu kommen beeindruckende Berglandschaften, eine lebendige Gastronomieszene und das ganzjährig milde Klima.
Die Kanaren tragen nicht ohne Grund den Beinamen „Inseln des ewigen Frühlings“. Das Klima ist das ganze Jahr hindurch mild; die Sonne scheint durchschnittlich 300 Tage im Jahr. Damit ist Gran Canaria vor allem in den Herbst- und Wintermonaten besonders attraktiv – genau dann, wenn viele der großen Kreuzfahrtschiffe ihre Atlantik-Routen in Richtung Kanaren fahren. Wer Las Palmas de Gran Canaria erkunden möchte, hat dabei die Wahl zwischen einer Kreuzfahrt und einer klassischen Spanien-Pauschalreise.
Häufige Fragen zum NABU-Kreuzfahrtranking 2026 und Kanaren-Kreuzfahrten
Was ist das NABU-Kreuzfahrtranking 2026?
Das NABU-Kreuzfahrtranking 2026 ist eine jährlich vom Deutschen Naturschutzbund (NABU) durchgeführte Bewertung von Kreuzfahrtreedereien hinsichtlich ihrer Klima- und Umweltschutzmaßnahmen. Im aktuellen Ranking wurden 19 Reedereien befragt und anhand von bis zu 17 Punkten bewertet. Keine einzige Reederei erreichte dabei die Hälfte der möglichen Punkte.
Welche Reederei schneidet im NABU-Ranking 2026 am besten ab?
Platz 1 belegt Havila Voyages, gefolgt von Hurtigruten auf Platz 2 und Ponant auf Platz 3. Auf dem gemeinsamen vierten Platz liegen AIDA Cruises und TUI Cruises (Mein Schiff). Das Schlusslicht bildet Marella Cruises. Drei Reedereien – Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises – haben gar keine Angaben gemacht.
Welche Reedereien fahren Gran Canaria und die Kanaren an?
Gran Canaria und die anderen Kanarischen Inseln werden von zahlreichen Reedereien angesteuert, darunter AIDA Cruises, TUI Cruises (Mein Schiff), MSC Cruises, Costa Kreuzfahrten, Royal Caribbean und Celebrity Cruises. Für 2026–2028 stehen insgesamt über 76 Kreuzfahrtschiffe für Kanaren-Routen zur Auswahl.
Was bedeutet der Verzicht auf Schweröl für meine Kreuzfahrt?
Schweröl ist der günstigste, aber auch schmutzigste Schiffstreibstoff – er enthält hohe Mengen Schwefel, Ruß und andere Schadstoffe. Reedereien, die darauf verzichten, setzen stattdessen auf Flüssiggas (LNG), Marinediesel oder alternative Kraftstoffe. Für Passagiere bedeutet ein Schweröl-Verzicht sauberere Luft an Bord und in Häfen sowie eine bessere Umweltbilanz der Reise.
Ist Gran Canaria auch ohne Kreuzfahrt sehenswert?
Absolut – Gran Canaria bietet eine beeindruckende Kombination aus Stadterlebnis (Las Palmas de Gran Canaria mit dem historischen Stadtviertel Vegueta), Naturlandschaften (Dünen von Maspalomas, Bergwelt des Roque Nublo) und einem ganzjährig milden Klima. Die Insel ist auch als klassisches Pauschalreiseziel oder für Lastminute-Reisen ideal.
Wann ist die beste Reisezeit für eine Kreuzfahrt zu den Kanaren?
Die Kanaren können das ganze Jahr bereist werden. Kreuzfahrten dorthin sind besonders im Herbst und Winter beliebt (Oktober bis März), wenn in Mitteleuropa die kalte Jahreszeit beginnt und die Temperaturen auf Gran Canaria weiterhin angenehm zwischen 18 und 24 Grad liegen. Im Sommer sind die Inseln zwar heißer, aber weniger von Kreuzfahrtschiffen frequentiert.
