Venezianer demonstrieren gegen Kreuzfahrtschiffe

Donnerstag, 28. November 2019

Nach dem verheerenden Hochwasser im November richtet sich der Zorn der Einheimischen sowohl gegen die Kreuzfahrtbranche als auch gegen das immer noch nicht fertiggestellte Flutschutzprojekt „Mose“. Tausende Venezianer protestieren gegen die ihrer Meinung nach Mitschuldigen an der Hochwasser-Tragödie.

Kreuzfahrt Venedig

Kreuzfahrtschiffe sind den Einwohner Venedigs ein Dorn im Auge.

Einwohner Venedigs fordern Verbot für Kreuzfahrtschiffe

In den letzten Wochen gingen traurige Bilder aus Venedig um die Welt. An mehreren Tagen im November stand das Wasser über anderthalb Meter über normal und sorgte dafür, dass rund 90 Prozent der weltberühmten Lagunenstadt unter Wasser standen. Wohnungen, Geschäfte, Bars, Restaurants und viele historische Bauten wurden bei dem historischen Hochwasser überflutet und teilweise schwer beschädigt.

Der Bürgermeister Venedigs, Luigi Brugnaro, bezeichnete das Hochwasser als Folge des Klimawandels. Viele der Bürger Venedigs haben jedoch noch einen weiteren Schuldigen ausgemacht, und zwar die Kreuzfahrtschiffe. Bei einem Protestmarsch am vergangenen Sonntag demonstrierten zwischen zwei- und dreitausend Menschen gegen die Kreuzfahrtbranche.

Viele Einwohner Venedigs machen den in den letzten Jahren stark gestiegenen Kreuzfahrttourismus für die Zerstörung ihrer historischen Stadt mitverantwortlich. Die Wellen der riesigen Schiffe beschleunigen die Erosion der fragilen Stadtfundamente. Venedig wurde auf Holzpfählen erbaut, die in die flachen, sandigen Böden der die Stadt umgebenden Lagune gerammt wurden. Darüber hinaus wurden für die großen Schiffe in der Lagune Fahrrinnen ausgebaggert, die zu einer verstärkten Dynamik der Hochwasser führen. Viele Venezianer fordern vor diesem Hintergrund ein Verbot von Kreuzfahrtschiffen in der Lagune von Venedig.

Um dem Massentourismus Herr zu werden, verlangt die Stadt seit diesem Jahr Eintritt. Wer eine Venedig Städtereise unternimmt muss ab kommendem Jahr 6 Euro zahlen. Ausgenommen sind Touristen, die auch eine Unterkunft vor Ort gebucht haben.

Der Protest der Bürger richtete sich jedoch auch gegen den Bürgermeister der Stadt und das von ihm mitgetragene Flutschutzprojekt namens „Mose“. Bereits seit über zehn Jahren wird daran gebaut. Das Fertigstellungsdatum ist bislang ebenso unbekannt wie der tatsächliche Nutzen des Projekts. Bekannt ist hingegen, dass über die Jahre viele Millionen Euro an Schmiergeldern in dunklen Kanälen versickerten.